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von Jasper Buddy
Der Blick aus dem Fenster des Samstagmorgen enthüllt einen zaghaft blauen Himmel und einen Hach an Sonnenstrahlen. Ich drehe mich schlaftrunken um, hatte fest vor noch ein wenig zu schlafen, bis mir schlagartig klar wurde, dass die SONNE schein. Ich springe auf, um mich tatsächlich zu überzeugen, dass ich mich nicht getäuscht habe… leider etwas zu schnell für meinen Kreislauf.
Nach ich mich gesammelt habe und mein Junggesellen Frühstück zu mir genommen habe (eine Tasse Kaffee und eine Zigarette) habe ich beschlossen: Die Saison ist eröffnet!
Ab diesem Entschluss begann auch die Odyssey, die mich den Tücken von Oldtimern näher bringen sollte.
Reicht die Motorradhose? Nein, ein langes Unterhöschen sollte auch sein…
ein oder zwei Pullover? Zwei sind vielleicht doch besser. Und schon bald stand ich im Türrahmen meiner Wohnung, eingepackt in die Errungenschaften der Textilforschung.
Die Yamaha XS 750, die knapp älter ist als ich (ca. 4 Jahre… und ich gehe auch schon stramm auf die 30 zu) wird heraus geschoben und versucht anzumachen.
Nach dem Winterschlaf, sprang sie leider nicht nach dem 5. Mal antreten an… an der Stelle rächte sich meine Kleiderauswahl. Nach kurzem Verschnaufen und leichtem Schweiß, sprang sie nach ein paar mal treten doch an um umhüllte die Nachbarschaft mit ihrem charmanten, ungedämpften Geräusch von Leben.
Die Fahrt war eine Befreiung für die Seele, dennoch spürte ich nach etwa einer Stunde leichte Einschränkungen in den Füssen und an den Fingern. Ich dachte mir… gut… Sonne, blauer Himmel, wenig Schnee… aber der Januar mit den Temperaturen knapp unter null haben doch ihre Tücken.
Ein paar Wochen danach, war das Wetter wieder angenehm (es lag kein Schnee mehr) und ich brach auf zu der nächsten Fahrt.
Nach etwas 90 Kilometer durch die schönsten Ecken des Ruhrgebietes fing die XS plötzlich an zu stottern, instinktiv drehte ich den Tankhahn auf Reserve. Die Restmenge des Tankes hielt noch 10 km bis die Gute einfach ausging.
War fast nicht schlimm, es waren ja nur noch 3,5 km bis zu meiner Wohnung.
Auf dem Spaziergang nach hause, wurde mir bewusst, dass 26 Liter Verbrauch auf 100 km nicht der Normalfall sein dürfte, auch wenn es ein Oldtimer ist. Am Folgetag waren meine XS und ich unbeschadet in der Werkstatt und die Fehlersuche begann.
Es konnte nur der Vergaser sein! Also ausgebaut, zerlegt, gelacht und gereinigt lagen die Teile des Vergasers nun auf dem Esstisch in der Küche (als Junggeselle brauch man es nicht so genau nehmen). Nachdem der Vergaser Kit geliefert wurde und fachmännisch eingebaut war (von mir), stand ich nur vor einem winzigen Problem… die Einstellung!
Dank dem Internet und der unendlichen Geduld meiner Nachbarn, habe ich die 3 Vergaser so eingestellt (düsen ganz eindrehen, bis man denkt die Federn zu zerdrücken und dann wieder 3,5 Umdrehungen raus), dass die XS wieder annehmbar fährt.
Diese Errungenschaft musste gefeiert werden, indem ich der Einladung von zwei tollen Freunden folgte und eine kleine Tour vom großen, aufregenden Ruhrgebiet in das etwas ländliche, verschlafende Oelde machte.
Die ersten 30 Kilometer bei strahlender Sonne waren traumhaft, der einsetzende Regen machte mir immer noch keine Schlechte Laune, der Hagel allerdings erschwerte die Sicht ungemein.
Nach Kaffee und köstlichen Muffins sollte die Rücktour angetreten werden… habe ich schon erwähnt, dass ich auf der Hinfahrt das Nummernschild verloren habe?
Also, in den Abendstunden, bei etwas Nieselregen begann die Fahrt … allerdings ohne Nummernschild, was vielen aufmerksamen Autofahrern auch aufgefallen ist, denn sie machten mich auf der Autobahn, mit wildem Hupen darauf aufmerksam.
Ein sehr abwechslungsreicher Ausflug (diesmal hatte ich alles: Sonne, Regen, Sturzbäche, Hagel und Schnee) endete kurz vor meiner Haustür als ich mal wieder angehupt wurde. Nach dem gefühlten 300.000sten Mal drehte ich mich um, wollte ihm meine Meinung, durch eine Geste meines längsten Fingers zeigen und blickte ich eine weiß/graue/blaue Wand aus Qualm. Kurzer Blick, wo kommt es her? Natürlich… aus meinem Auspuff.
Als ich nach ein paar Tagen schließlich wieder trocken war und eine Körpertemperatur im Normalbereich angenommen habe, schaute ich mir die liebe XS 750 an.
Der Qualm ist weniger geworden, dafür rotzt aus dem Auspuff lustig Öl heraus und der rechte Zylinder hörte sich auch nicht so gut an, zumindest das klackern darin.
Weil der Winter seinen 2. Frühling gefeiert hat, stand dem chirurgischen Eingriffs, des Motor zerlegen, nichts mehr im Weg. Doch bereits nach einer Stunde scheitere ich an der Steuerkette.
Doch kaum war eine Woche vergangen, bekam ich mein funkelnagelneues Ketten Trenn und Vernietwerkzeug geliefert. Also weiter im Text… die Kette ab und den Ventildeckel abgenommen. Durch zielgenaue Schläge mit dem Hammer, etwas Kraft und ein wenig Ungeduld, konnte ich auch den Zylinderkopf abnehmen. Eine Papierlage klebte am Kopf, die Metalleinlage konnte ich so herausnehmen und die untere Papierlage war noch an der Zylinderbank.
Gut…die Ventile verrieten mir, dass meine Vergasereinstellung wohl etwas zu fett war, denn es schaute alles lustig schwarz aus.
Nachdem alles ab war und ich mit dem Dremel, alle Oberflächen, uhrmachergenau von den Dichtungen, die mittlerweile ihren Aggregatzustand verändert hatten, befreite wollte ich auch die neuen Dichtungen einsetzen. Ich hatte aber noch keine.
Ein Anruf bei der Werkstatt meines Vertrauens verschaffte mir Ernüchterung…
Er: „Tja, der Dichtungssatz besteht aus 9 verschiedenen Dichtungen. 3 davon sind aber nicht mehr Lieferbar.“
Etwas irritiert fragte ich: “Weil ich den Motor geöffnet habe, um die Laufflächen zu prüfen, muss ich ihn jetzt wegschmeißen, weil Sie keine Dichtungen dafür habe?“
Er: „Ich kann ihnen die Kopf- und Fußdichtung geben und die vom Kettenspanner… kostet allein 300€, doch die anderen hab ich nicht“
Ich ersparte mir Höflichkeitsfloskeln, legte auf und recherchierte im Internet. Dank Ebay, bekam ich einen kompletten Motordichtsatz für eine Yamaha XS 750 für 62€.
Ok. Weiter geht’s… dachte ich... einer, der etwas angegriffenen Kolbenringe trennte sich in Teilen von mir.
Ist doch nicht so schlimm… andere sollte auch mal Glück habe, wieso immer nur ich.
Mittlerweile sind auch knapp 1,5 Monate vergangen und der Frühling hält Einzug. Alle spießigen Schönwetterfahrer haben ihr Böcke aus der Mumifizierung herausgelassen und fahren wacker ihr ersten Kilometer der 1000 die sie in dieser Saison insgesamt fahren werden. Und ich in meinem Auto hinter ihnen.
Ein weiterer Versuch bei der Werkstatt.
Er: „Kolbenringe, XS 750? Kein Problem, bestell ich.“
Sauber! Aus Vorfreude und langeweile sitz ich wieder in meiner Werkstatt und nehm den Dremel zur Hand. Wenn ich die Kolben schon mal draußen habe, kann ich sie ja auch mal vom Dreck befreien. Also setzte ich an der Kolbenoberseite an und schleife den Jahrzehnte alten Schmauch ab. Lustig und vergnügt sitz ich da, als plötzlich eine kleine Gravur des Kolben das Licht der Welt entdeckt. Vor Schreck fällt mir die Zigarette aus dem Mund und ich starre mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen auf die Zahlen „.25“
Scheiße! Ein Übermaßkolben!
Montags war natürlich der erste Anruf in der Werkstatt:
Ich: „Guten Morgen, ich da am Wochenende eine kleine Endeckung gemacht. Die bestellten Kolbenringe sind wohl falsch, weil das wohl der erste Übermaßkolben ist“
Er: „Dann haben wir wohl ein Problem“
Ich: „Wieso“
Er: „Weil es eine Sonderbestellung ist und 47€ kostet“
Ich „Gut, ist nicht ganz so schlimm. Ich bräuchte jetzt trotzdem die Übermaßringe“
Er: „Die sind aber nicht mehr Lieferbar“
Ich „Bitte was?“
Er: „Nicht lieferbar“
Ich: „Ok. Ich soll die falschen Kolbenringe bezahlen und dann wegwerfen. Und am besten den Rest des Motors hinterher, weil es keine Kolbenringe dafür gibt!“
Er: „Ich guck mal eben ob es die anderen Übermaße gibt…“
Ich: „BITTE WAS??? Nur weil ihr einen verdammten Kolbenring nicht bekommt, soll ich alle Zylinder weiter aufbohren, neue Kolben holen und dafür 1000€ ausgeben?“
Höflichkeitsfloskeln habe ich mir bei diesem Gespräch ebenfalls gespart und aufgelegt. Also wieder zu Ebay.
Das gibt es einen, der 25er Kolbenringe für eine XS 750 hat. Gibt es doch noch einen Gott?
Sofort nach der Arbeit fahre ich nach Grevenbroich, durch den Berufverkehr natürlich, finde die Anschrift fast auf Anhieb (es gibt keine anderen Häuser auf dieser Weidefläche).
Na ja, die 17“ Breitreifen fanden den Schotterweg nicht ganz so prickelnd, aber ich war schließlich angekommen. Nach einem kurzen Gespräch, Fachsimpelei und guten Wünschen fuhr ich schnell wieder nach hause. Den ersten Ring eingesetzt und was habe ich wohl festgestellt???
Er ist zu klein. Ich gebe auf… hab keine Lust mehr…
Ich mache aber noch ein Foto vom Kolben und schicke es per Mail zum Verkäufer.
Der Gedanke, nur noch Auto zu fahren ist nicht so schlimm, sollen doch die Moped fahren, die es sich leisten können… oder weniger in Gefahr sind zum Amokläufer zu werden.
Tags darauf rief mich der Verkäufer, sehr verständnisvoll an und befragte mich zu den Kolben, welche Nummer sie haben, welche Maße, ob irgendwelche weiteren Gravuren da sind. Abends telefoniere ich nur noch aus Höflichkeit mit ihm und er verwies mich an einen „alten Hasen“ was Yamahas angeht.
Er: „Wie ist der Durchmesser?“
Ich „ca. 71mm“
Er: „kann nicht sein. Die XS 750 hat nur 68mm. Was steht in der Innenseite des Kolbens?“
Ich „Keine Ahnung, ich guck mal… Auf der einen Seite steht Yamaha… auf der anderen 2H703“
Er: „WAS? Warte mal kurz...“ Er blättert in irgendwelchen Unterlagen „2H7 sagst du? Das ist nicht von der XS 750“
Ich: „nee, jetzt wo du es sagst. Ich fahre die ganze Zeit eine Suzuki und habe es wohl nicht gemerkt“
Er: „Quatsch! Der Kolben ist von einer XS 1100!“
Ich: „Habe wohl auch nicht gemerkt, dass es 250ccm mehr sind als ich dachte“
Er: „Das war früher modern. Man hat die Zylinderhülsen von einer 1100er eingesetzt und entsprechend dem Hub gekürzt, somit ist man auf ca. 820ccm gekommen. Quasi Motortuning der 70er“
Nachdem ich die Fassung wieder erlangt habe, fragte ich: „Und das heißt jetzt?“
Er: „Ich kann dir die Kolbenringe im ersten Übermaß für deine Kolben schicken. Empfehlenswert wäre auch eine passende Kopf- und Fußdichtung für die größeren Zylinder. Ich pack das eben ein und schick sie dir. Rechnung lege ich bei und hoffe dass du genauso zügig bezahlst wie ich dir die Sachen schicke“
Abgemacht.
Die ist also das Geheimnis der XS!
Nach einer sehr genauen Untersuchung der Maschine habe ich festgestellt, dass am Federbein hinten rechts noch eine Schraube daran ist, die noch vom Original der XS 750 ist.
Die Lieferung steht noch aus und somit werde ich mal schauen wie die Reise meiner Geduld mit meiner „Yamaha XS 750“ / „Yamaha irgendwas ca.820“ weitergeht
Fortsetzung folgt???
*ganzgespanntbin*
habe ähnliches hinter mir... als die yamaha vertragswerkstatt in DO. mitteilte das ihnen die typennummer 4m9 gänzlich unbekannt sei und garantiert nicht zu einer xs650 gehöre...
dank der bikernews erfuhr ich aber dann (1993 hatte ich noch keinen internet zugang...) das es wirklich doch eine besondere version der xs650 war, die es genau 500 mal weltweit gab und sich besonders durch ihre perverse ami elektrik auszeichnete...(also vollelektronische zündung und an jeden verbrauchern dauerplus anliegend und der minuspol geschaltet *wimmer*)
und dank des XS Ladens (damals noch in stuttgart) und der freundlichen unterstützung einiger begnadeter harley und BSA schrauber bekam das schätzeken eine selbstgebaute minimalistische anglo-amerikanische elektrik und war wieder fahrbar.
so!
FZG
henne